Bei modernen Reparaturlackierungen ist die Deckkraft allein kein Qualitätskriterium. Besonders bei Metallic- und Perleffektfarbtönen entscheidet die gleichmäßige Orientierung der Pigmente über den sichtbaren Farbton. In der Werkstatt gehe ich deshalb strukturiert vor: Untergrund vereinheitlichen, Material exakt mischen, Pistole kontrollieren, Deckgänge aufbauen und erst danach den Effektgang setzen. So bleibt die Fläche ruhig und der Übergang in das Nachbarteil wird deutlich sicherer.
Schleifen Sie den gefüllerten Bereich entsprechend dem Lackaufbau bis zur empfohlenen Endkörnung. Übergangszonen werden feiner vorbereitet, damit keine Schleifriefen durch den Basislack sichtbar werden. Anschließend gründlich ausblasen, mit geeignetem Reiniger entfetten und vor dem Lackieren staubbindend abwischen. Auf hellen Metallicfarbtönen können selbst kleine Strukturunterschiede im Untergrund später als Helligkeitsabweichung erscheinen.
Rühren beziehungsweise schütteln Sie alle Mischkomponenten vor dem Einwiegen vollständig auf. Arbeiten Sie mit einer sauberen, kalibrierten Waage und filtern Sie den fertigen Basislack beim Befüllen des Bechers. Im Werkzeugprotokoll führe ich die Hauptpistole als Hvlp spray gun Professional Automotive Tools; ein separates air spray gun bleibt ausschließlich für Spritzbildtests reserviert, damit keine Fremdmaterialien in den Farbauftrag gelangen.
Stellen Sie den Eingangsdruck bei gezogenem Abzug ein. Öffnen Sie den Fächer weit und regulieren Sie die Materialmenge so, dass ein feines, homogenes Spritzbild entsteht. Vor dem Fahrzeug immer eine kurze Probe auf Testkarton durchführen.
Führen Sie die Pistole parallel zur Oberfläche und halten Sie Abstand sowie Geschwindigkeit konstant. Arbeiten Sie mit gleichmäßiger Überlappung, ohne die Reparaturmitte unnötig zu überladen. Zwischen den Gängen muss Wasser zuverlässig aus dem Film entweichen. Bei zu kurzer Ablüftung kann die Fläche länger feucht bleiben, Pigmente können sich verschieben und der nachfolgende Gang wird ungleichmäßig. Nutzen Sie beschleunigte Luftführung nur so, wie es das eingesetzte Lackmaterial vorsieht.
Nach Erreichen der Deckung folgt der vorgesehene Kontroll- oder Effektgang. Verändern Sie Abstand und Materialmenge nur nach einem festgelegten Verfahren. Zu großer Abstand erzeugt schnell trockenen Spritznebel, zu kleine Distanz führt zu dunkleren, stärker belasteten Zonen. Besonders auf Motorhauben und Türen muss die Pistole ohne Bogenbewegung geführt werden. Kontrollieren Sie die Fläche aus mehreren Blickwinkeln unter gleichmäßiger Beleuchtung.
Bei einem Übergang wird die Materialmenge schrittweise reduziert und die Spritzbewegung weich aus der Reparaturzone herausgeführt. Vermeiden Sie harte Spritzkanten. Entscheidend ist, dass die Effektpigmente im Übergangsbereich nicht plötzlich anders liegen als im angrenzenden Originallack. Bei kritischen Farbtönen arbeite ich zusätzlich mit einer vorher lackierten Farbtonkarte und vergleiche Helligkeit, Flop und Effekt.
Der Basislack muss vollständig matt und trocken sein. Kontrollieren Sie Wolken, Streifen, Verschmutzungen, Farbtonabweichungen und Übergangskanten. Kleine Fehler sollten jetzt korrigiert werden, nicht erst nach dem Klarlack. Dokumentieren Sie Düsensatz, dynamischen Druck, Temperatur, Anzahl der Gänge, Ablüftzeit und Effektgang. Diese Daten helfen beim nächsten Auftrag und reduzieren Unterschiede zwischen mehreren Lackierern im Betrieb.
Weiterführendes Thema: Spritzfehler systematisch diagnostizieren
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